Am gestrigen Freitag war auf der Homepage des, leider in der Stichwahl am vergangenen Sonntag unterlegenen, Weimarer OB-Kandidaten Martin Kranz von einem anonymen Drohbrief (in voller Länge einzusehen) zu lesen. Kurioserweise adressiert an dessen Bruder Peter Kranz.

Der bzw. die Verfasser des Briefes („Junge Freunde für Weimar – soziale, liberale und linke“) äußern unter anderem ihr Ärgernis darüber, den „deutschen Schädel“ von Martin Kranz nun auch noch in „ihrer“ Zeitung sehen zu müssen. Zudem gehörten „Rechtspopulisten“, wie Kranz, nicht in die Stadt und deren Familien schon gar nicht.
Aber Moment mal… Rechtspopulisten!? Martin Kranz ging als Kandidat des Bürgerbündnis Weimarwerk e.V. in die Bürgermeisterwahl. Bei kurzer Betrachtung der Ziele des Vereins fällt es schwer, Anhaltspunkte für eine rechtspopulistische Ausrichtung auszumachen. Im Programm ist sogar die Rede vom „Kampf gegen politischen Extremismus“; Und dies sowohl gegen den von rechts als auch von links. Zudem organisiert Kranz mit seiner kulturdienst:GmbH seit 2004 die jüdischen Kulturtage zu Berlin.

Schaut man sich nun einmal auf der Homepage der Linksautonomen in Weimar um und gibt „Martin Kranz“ in das Suchformular ein, bekommt man zwei Blogeinträge zu lesen. Vor allem das erste Suchergebnis ist interessant: So soll es nach einer kritischen Äußerung von Günther P. (Mitarbeiter neuelinke Weimar, Anm. d. Red.) bzgl. des Wahlkampfslogans „Ein Weimarer für Weimar“ zu Beleidigungen von Kranz-Anhängern gegenüber dem Autor gekommen sein (verlinkt ist der Artikel, der aus unerklärlichen Gründen nicht mehr existiert). Die Autonomen dazu: Was auf den Beitrag folgte, sei „an Unsachlichkeit kaum zu übertreffen.“ Dazu weiter: „Kranz reagierte schnell und stellte sich als Antifaschisten dar. Das dies an Heuchelei kaum noch zu übertreffen ist, sollte jedem wahren Nazigegner klar sein, da sich weder Kranz selbst, noch das Bürgerbündnis Weimar-Werk jemals im Kampf gegen rechte Umtriebe in Weimar eingebracht haben“ sollen (Hier nur kurz der Verweis auf den zweiten Absatz meines Blogeintrags). Nun kann sich jeder selbst die Frage stellen, inwiefern der zitierte Absatz an Unsachlichkeit zu übertreffen wäre.
Man könnte auch zu der Überlegung kommen, dass viele selbsternannte Linke gern alles, was nicht ihrer eigenen Überzeugung entspricht an den rechten Rand des politischen Spektrums stellen.

Es sollen keineswegs öffentliche Vermutungen über die Urheberschaft angestellt, sondern lediglich die kleingeistige Argumentation widerlegt werden.
Oder wie es Günther P. (siehe oben) auf der Facebook-Seite von OB Stefan Wolf kurz und prägnant ausgedrückt hat: „Falls der anonyme Brief kein Fake von sonstwoher ist (cui bono?), so dokumentiert das Pamphlet den Geist von Linksfaschismus. Widerlich.“

Dazu sollte man sich dann vielleicht noch zwei Fragen stellen:

Darf man sich mit Aussagen wie „Wir brauchen dich nicht in unserer Stadt“ und „Wer aus Weimar kommt, gehört noch lange nicht hier her“ selbst als liberal bezeichnen?
Ist derartiges Handeln nicht eher antisozial, als sozial?

Der Familie Kranz möchte ich mein Mitgefühl aussprechen. Es macht mich traurig, dass es in der Kulturstadt Weimar Menschen gibt, die ihre misanthropische Denkweise auf derart unkultivierte Art und Weise zum Ausdruck bringen müssen.

Pressespiegel:
TA/TLZ/OTZ: Drohbrief gegen Weimars unterlegenen OB-Kandidaten Kranz 
Thüringer Blogzentrale: „Junge Freunde für Weimar“… wissen wo Du wohnst…

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